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Sie hören im Anschluss die Nationalhymne
(Auszug)
Zu den Dingen, die man Frauen nicht erzählen
sollte, gehört, dass man die Nationalhymne zum Einschlafen braucht.
Dummerweise habe ich Ella das ziemlich bald erzählt, schon nach
wenigen Treffen, beim zweiten Mal, als ich bei ihr übernachtete. Wir
drehten uns gerade wohlig zur Seite, als es mir so herausrutschte,
dass ich ja nun heute ohne die Hymne um Mitternacht würde
einschlafen müssen, aber wohl auch könne. Ella setzte sich auf und
fragte mit der Stimme einer erzürnten Kindergärtnerin, ob sie da
etwas übersehen oder überhört habe. Ich versuchte die Äußerung
herunterzuspielen, das Ganze zum Scherz zu erklären. Danach konnte
ich natürlich nicht mehr gut einschlafen, weil ich mich fragte,
wofür sie mich nun hielt, für einen von den neuen Konservativen oder
einen ewig kleinen Jungen, der ein Einschlafritual braucht.
Sie sprach die Bemerkung beim Frühstück nicht an,
fragte mich aber, während sie mit dem Löffel in der leeren
Eierschale herumkratzte, nach meinen bevorzugten Zeitungen. Ich
antwortete vorsichtig ausgewogen, nannte zwei Blätter, die ich als
linksliberal in Erinnerung hatte. Sie trug einen flauschigen
Bademantel, aus rosa gefärbter Zuckerwatte gewebt, und hatte die
Haare hinten zusammengebunden, so wie Svenja aus dem Büro und die
Kellnerinnen im „Louis Lunch“ und überhaupt wie die meisten jungen
Frauen , mit denen ich zu tun habe oder die man in den Serien und
bei diesen Wettbewerben sieht. Es störte mich nicht, ich brauche
nichts Exklusives. Ich mag auch Filme, in denen durchschnittliche
junge Frauen sich trotz kleiner Katastrophen mit Humor durchschlagen
und das Beste aus ihrer Situation machen und in Sommernächten auf
dem Balkon Wein vom Discounter trinken.
Auch Ella schlägt sich gut durch. Sie arbeitet
als Maklerin für eine Bank und hat einen scharfen Blick für echte
Werte und übertünchte Problemstellen.
Wir brachten den Sonntag gut herum, am Abend
hatte sie noch eine alte Verabredung mit ihren Freundinnen im
türkischen Bad, und so ging ich erleichtert in meine Wohnung,
stellte mir Ella rosa in weißem Dampf vor. Sie hatte dann doch noch
eine kleine Bemerkung gemacht. „Schlaf gut ein ohne mich“, hatte sie
gesagt, die Nationalhymne und das Radio hatte sie nicht erwähnt... |